Ohne Titel

sonst wird noch was erwartet


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Misogynie verlernen und Identität

[Ich rede im Folgenden bewusst von “Männern” und “Frauen” im Kontext des binären gesellschaftlichen Konstrukts – Konkret hat es sich falsch angefühlt von Frauen* zu reden wenn meine damalige Sicht auf die Welt von eben jener Dualität geprägt war und zu meinem Problem beigetragen hat]

Feminismus hat mich in doppelter Hinsicht dazu gebracht mein Dasein als genderqueeres Menschi zu sehen.

Zum einen (offensichtlich) durch Informationen. Durch mehr Wissen um Geschlechter konnte ich mich meinem Eigenen neu nähern und es erforschen (ein nicht endender Prozess, aber nicht mehr so einschüchternd wie Anfangs, sondern mehr als Teil meiner selbst)

Das Andere war etwas weniger offensichtlich, aber nicht weniger wichtig. Indem ich gelernt habe Frauen als Menschen zu sehen. Das klingt jetzt erstmal drastischer als es ist, aber früher waren Frauen “das Andere” und ich musste mich aktiv abgrenzen. Nachdem eins in dieser Gesellschaft belohnt wird nicht zu sein “wie die anderen Frauen”, bin ich damit auch lange gut gefahren.
[Da als Frauen* gelesene Personen sich eigentlich eh viel freier mit ihrer* Fluidität spielen (was zu viel Erasure führt) “dürfen” ist es fast verwunderlich das ich trotzdem lange Zeit als zu männlich abgestempelt wurde. Waren wohl nicht die gesellschaftlich gern gesehenen Aspekte.]

Bis ich dann eben zu dem Punkt kam
a) Was ist denn diese ominöse Einheitsmasse “Frauen” überhaupt?
b) Warum soll es schlimm sein so zu sein?

Ich hatte da auch viel gefressen und die Erkenntnis das “Frau-sein” nicht eine einzige Erfahrung ist und das Dinge die feminin gelesen werden (in unsere Gesellschaft) nicht schlecht sind war schon ein echtes A-ha Erlebnis.

Und ich konnte endlich Frieden schliessen. Frauen* nicht mehr vorverurteilen sondern ihnen das gleiche Recht zugestehen das ich Männern immer zugestand: Einzigartig zu sein.

Warum mir das geholfen hat mich selbst zu entdecken? Weil ich nach all dem merkte, dass ich mich trotzdem nicht dazu gehörig fühlte. Das hatte nichts mehr mit “nicht wie die Anderen” zu tun. Das war etwas Anderes. Das war tiefer.

Parallel lernte ich von nicht-binären Identitäten und Menschen und ich wurde neugierig. Eine völlig neue Welt tat sich auf. Plötzlich gab es Menschen die offen da standen und sagten “nö” und ich fing an zu überlegen ob ich mich eigentlich als “Frau” sah weil ich eine war, oder ob ich das nur in Ermangelung an Alternativen tat. Und kam zu dem Schluss das es letzteres ist.

Zu lernen das es völlig okay ist “weder-noch” zu sein war ein großes Geschenk und es geht mir soviel besser seitdem mit mir.

Jetzt beginnt der große Kampf für diese Identität einzustehen. Ich komme in kleinen Schritten voran (Therapeutin, KiTa, Freunde,..) aber es geht voran. Und das fühlt sich gut an.

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Was ich schon geschafft habe

Dies ist eine Aufgabe die ich erledigen muss – warum also nicht gleich einen Blogpost daraus machen, wenn ich eh viel zu selten blogge.

Essen:

Der größte Block an Dingen-die-manchmal-mein-Leben-einschränken. Aber das ist auch schon der erste Punkt. Es ist nur noch “manchmal”. Die Zeiten sind vorbei an denen jeder Tag ein Kampf war. Ich denke immer noch jeden Tag darüber nach (und damit meine ich nicht ein einfaches “was wollen wir heute essen” nachdenken, sondern diese kleine Stimme die sagt “wenn du nur eine kleine Portion isst wärst du sicher glücklicher…”. Aber ich habe gelernt zu dieser Stimme zu sagen: “weisst du was mich am glücklichsten macht? Satt sein.”. Das Ergebnis ist tagesformabhängig. Manchmal kann ich gut essen, manchmal dann halt auch nur bis genau bis zur Sättigung. Egal wie gut es schmeckt und ich gerne weiteressen würde. Aber an richtig guten Tagen kann ich mir sagen “Es ist völlig okay etwas zu essen weil du es willst, nicht nur wenn du musst.

Auch macht es mich nicht  mehr so fertig wenn ich in schlechte Muster zurückfalle. Ich glaube sogar das ist meine größte Errungenschaft! Es ist auch etwas das sich gegenseitig bedingt. Wenn ich selten Fress/Hunger Anfälle habe, kann ich mir leichter sagen “ist jetzt scheiße, geht aber auch wieder vorbei” und wenn ich akzeptieren kann, dass diese Anfälle ein Part von mir sind (niemand hat gesagt ich muss ihn mögen), dann sind diese Episoden kürzer, und seltener.

Etwas das mein Leben erheblich leichter gemacht hat ist, das ich wieder in der Öffentlichkeit essen kann (jubelt mir zu!). Und an richtig richtig richtig guten Tagen darf man auch mit mir reden dabei. *lach* Das ist immer noch ein Part den ich mir erkämpfe, aber vor 2 Jahren konnte ich maximal einen Salat essen und das auch nur mit Herzklopfen und flimmernder Panik. Heute kann ich in der Mensa ein Mittagessen essen (das ist noch ganz neu). Ich muss mich dabei zwar in etwas verkriechen – ein Buch, Internet, Handyspiele, etc – aber es geht! Das ist eine Strategie die mir momentan hilft. Ich habe diesen Punkt geschafft indem ich, als es mir gut ging, mich gezwungen habe solche Dinge zu tun. Mir dem Mantra “siehst du die Menschen um dich herum? Die essen auch. Und die interessiert das überhaupt gar nicht was du hier tust, du bist eine von vielen”. In diesem Fall war der “du bist kein spannendes Individuum” Gedanke sehr hilfreich.

Ich kann auch auf arbeit essen! Da allerdings noch in einer aktuell merkwürdigen Mischung. Beim Mittagstisch ein Müsli essen hilft mir, das entspannt mich. Da fragt auch keiner groß, die wissen das ich immer das Gleiche esse. Die Frage “und was gibts bei dir heute leckeres” das mich dazu zwingen würde darüber tatsächlich näher nachzudenken fällt damit weg. Lustigerweise kann ich an meinem Arbeitsplatz sogar süßes essen. Das ist – trotz Großraum – einfach so ein bisschen mein eigenes Reich und da bin ich geschützt (auch da hab ich mich erst langsam vortasten müssen).

Was noch? Ich habe heute z.B. eine Banane gegessen. Einfach so, weil ich hunger hatte, ohne mein weiteres Essen geplant zu haben. wir waren zu 2. in diesem Raum und ich habe alleine gegessen. Das geht zugegeben nicht mit allen Personen, aber Orte und Menschen zu haben, die auch meine Geschichte kennen, bei denen ich mich so sicher fühlen kann. Das ist schon eine tolle Erfahrung.

Ich habe Strategien entwickelt. In schlechten Zeiten hilft mir Zeit alleine in der ich die Möglichkeit habe zu essen ohne das mich jemand sieht. Oder auch nur die Möglichkeit besteht das mich wer sieht. Wenn das nicht Möglich ist – Situation verlassen. Einfach mal rausgehen, was anderes machen. ablenken. Später kann die Welt schon wieder anders aussehen. Und wenn nicht? Seufzen und sich selbst sagen “scheiße wars, aber es wird wieder aufhören. Selbst wenn du morgen immer noch nicht essen kannst, es wird aufhören”. Weinen kann auch sehr hilfreich sein, den Knoten lösen. Wenn es am zweiten Tag nicht besser ist: Lebensmittel besorgen mit denen es einfacher ist. Ich muss nicht gleich in die Volle. Es ist okay keine Pizza essen zu können. Dann gibts eben ein Müsli oder gemüselastiges Essen.

In manchen Fällen hilft das auch nicht – da schreit man ganzer Körper nach Nährstoffen und mein Kopf nach Fasten. Das sind die schwersten Momente. Ich weiss auch noch immer keine Strategie ausser ablenken und frustriert vor sich hinschmollen. Aber es ist im moment das effektivste.

Depression:

Ich kann aktuell nichtmal sagen ob ich welche habe. Aber ich habe definitiv eine Tendenz dazu. Episoden wenn man so will. Sie machen mir Angst und sie irritieren mich besonders wenn ich in der Woche zuvor noch übermässig viel Kraft und Motivation hatte. Es ist als würde ich manchmal in eine der beide Richtungen kippen. Nur fühlt sich die eine besser an als die andere. Und ich kann schnell kippen. Grade noch Bäumeausreiss-stimmung? Zack, schlecht geschlafen, probleme empathie zu empfinden. Und ich werde dann gereizt. Die Welt überfordert mich dann. Ich muss noch lernen mir das zu erlauben.

Was ich aber schon kann ist durch den Tag kommen. Das mag lächerlich klingen, aber ich kann mich durch den Tag schleppen und meine Aufgaben erledigen. Ich verkrieche mich nur im äussersten Notfall, aber es ist nicht mehr mein Default. Vor 3 Jahren oder so konnte ich kaum das Haus verlassen wenn ich nicht in guter Stimmung war. Die Welt hat mir Angst gemacht und ich habe mich deplatziert gefühlt. Das tue ich heute auch noch oft, aber ich ziehe andere Konsequenzen daraus. Ich versuche trotzdem zumindest ein minimum an Dingen zu erledigen (Arbeiten gehn und halt mal nicht so viel zu leisten dabei zum Beispiel). Zuhause ist immer noch meine Rettung, aber ich bewahre es mir länger als einen Plan B auf.

Ich muss mehr darüber reden. Ich muss meinen Partner mehr daran teilhaben lassen. Ich kann das gut mit Essen, aber mit depressiven Phasen kann ich das nur sehr schwer.

Allgemein

Ich stehe mehr zu mir und zu meinen Überzeugungen. Meine Bisexuallität offen zu tragen und meinen Partner an der Suche nach meiner (Geschlechts-)identität teilhaben zu lassen. Dieses mehr zu mir stehen, mehr Kraft zu finden für das einzustehen was mir wichtig ist. Das hat mich sehr viel weiter gebracht. Ich bin mehr im reinen mit mir und wenn das auch nicht all meine Probleme (auch nicht die mit mir) löst – es hilft mir sie als Teil von mir zu akzeptieren. Und dadurch besser mit ihnen umzugehen und mehr mit meinen Dämonen zu leben als gegen sie. Sie werden dann auch viel kleiner.


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Genderkram – mal wieder

Ich habe gerade diesen Artikel gelesen:

http://www.buzzfeed.com/lauriepenny/how-to-be-a-genderqueer-feminist#.cmo1qZLvM

und musste erstmal weinen. Weil ich mich darin wieder fand. Weil es meine Kindheit und Jugend beschreibt und weil es mich valide fühlen lässt. Es beschreibt auch mein eigenes Verhältnis zum Feminismus recht nahe (ausser das meine Motivation mich in manchen Momenten dem Frauen-Club anzuschliessen nichts mit Reproduktion von Frauen zu tun hat, da nicht nur Frauen gebären können).

Je mehr ich (Lebens-)Erfahrungen von genderqueeren Menschis mitbekomme, desto mehr bestärkt es mich meine eigene Wahrnehmung von mir selbst ernst zu nehmen. Irgendwer meinte mal auf die Frage was Geschlecht sei, das ein großer Teil ein Gefühl von Zugehörigkeit sei. Das ist bei weitem nicht alles was Geschlecht ist, aber für mich besteht da auch ein Zusammenhang. Ich habe mich nie dazugehörig gefühlt “Frau” zu sein. (Der Artikel beschreibt auch sehr schön das Gefühl von “ist wohl so”). Hingegen die Erfahrungen mit sich und der Umwelt die andere genderqueere Menschis gemacht haben.. Es fühlt sich richtig an. Es fühlt sich an als würde ich dazu gehören.

Es fühlt sich an als gäbe es mehr als “Frau sein und sich komisch darin fühlen, aber das liegt sicher nur an den Rollenerwartungen denen ich nicht entspreche – pech”

Ich muss gar keine Frau sein wenn sich das falsch anfühlt.

Ich muss auch kein Mann sein wenn sich das ebenso falsch anfühlt.

Ich darf mir selbst zutrauen mein Geschlecht am besten zu kennen. Und das muss nicht in eine von zwei Kategorien fallen.

Und für all die Augenrollenden “aber das gibts nich” Menschen: Ich kann euch nicht davon überzeugen. Ist auch nicht mein Job. Aber ich habe eine Frage: Warum stört es dich? Ich fühle mich damit im reinen mit mir selbst. Also verpiss dich und erfreue dich der Probleme die du nicht hast.

 


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Paar Gedanken

Da ich grad eh warte bis das Kind aufwacht kann ich auch kurz bloggen..

Ich habe zZ wieder verstärkt Gedanken zu gender. meinem um genauer zu sein.

Ich fühle mich einfach meistens nicht wie eine “Frau”. Ich würde sogar sagen mein häufigeres Gefühl dazu ist agender. Was wierd ist und schwer zu beschreiben. Es ist einfach so .. neutral. Und an Tagen an denen ich mich ~irgendwie und ein bisschen~ wie Frau oder Mann fühle fällt mir eigentlich erst wieder auf wie anders das eigentlich ist. Und an Tagen an denen ich mich so ganz eindeutig und unignorierbar männlich oder weiblich fühle finde ich es krass wie deutlich gender sein kann. Zumindest für mich.

Je länger ich mich damit beschäftige desto mehr kann ich mich als nb valide fühlen. Es war mir auch auf dieser Reise egal wenn das niemensch davon weiss aber aktuell piekst es immer mehr. Mir stößt das “sie” immer mehr auf, vor allem wenn es benutzt wird um mich zu kategorisieren (“die anderen Mädels spielen alle kein Kicker” – mal abgesehen von all dem Diskussionen die wir hier führen können-ich bin keine Frau).

Ich spüre immer mehr das Bedürfnis mir Räume zu schaffen in denen ich mehr als das gesehen werde was ich in mir selbst sehe und Pronomen zu tragen die sich nicht nur gewohnt sondern auch richtig anfühlen.

Mal schauen wann ich den Mut habe


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Essen ist doof

Ich hasse es manchmal das ich essen muss. Ich hasse es nochmehr wenn ich es nicht einfach kann. Manchmal ist es einfach das Timing – Kind schreit, unterwegs, sonstwie beschäftigt – aber meistens ist es der Kopf. Ersteres führt auch gerne zu letzterem. Das Problem hierbei ist das ich manchmal erst sehr akut bemerke das ich Hunger habe und dann sollte ich etwas essen. Schnell. Sonst kippt es.

Eigentlich hatte ich das doch alles wieder unter Kontrolle. Eigentlich konnte ich zur Zeit doch wieder essen. Im Gegenteil, ich hatte Fressattacken. Auch nicht gut, aber immerhin hab ich dann Energie (ha ha ha..). Und dann hab ich abgenommen. Ohne es zu wollen, ohne etwas zu tun, trotz vielem Essen, weil halt anstrengende Tage. Viel schlimmer: Ich habe es bemerkt.

Mein Problem war meist nicht das ich abnehmen wollte. Mein Problem ist die riesige Angst wieder zuzunehmen. Und diese Angst hält sich so hartnäckig, ist so fest eingebrannt in die tiefsten Zellen meines Hirns. Dort wo die Zahlen sitzen, wo die Listen verwaltet werden und der große rote Alarmknopf wartet. Die Abteilung ist vielleicht manchmal unterbesetzt, vll machen die Zuständigen ja auch gerade Pause, aber geschlossen wurde sie nie. Gerade scheint sich alles ruhig einzupendeln, das Gewicht recht stabil und mein “be body positiv” wirkungsvoll genug um damit leben zu können. Aber dann werde ich ausversehen dünner und der Alarm geht wieder los. Und die Angst. Diese scheiß Angst die vor jedem Essen anfängt zu rechnen, die abwägt und Panik macht. Panik das es nicht das richtige ist – alles muss optimiert sein, denn danach gibts nix mehr Baby – das es zu viel ist oder das schlimmste eintritt: das es nicht satt macht. Weil am schlimmsten ist es wenn das Essen nicht satt macht. Nichts mehr essen zu können weil das Hirn sagt es sei genug und sich gleichzeitig dafür hassen überhaupt gegessen zu haben. Es war eine Fehlentscheidung. gefangen im essen wollen und nicht essen wollen gleichzeitig. Und mit jedem Mal wird die Angst größer. Die Angst davor nicht satt zu werden. Also isst du nicht, solange hast du nichts falsch gemacht und alles ist noch möglich.

Und so sitze ich hier, mit einem Kind das auf mir herumturnt und esse nicht. Wenn heute ein guter Tag ist werde ich später essen wenn die Angst leiser wird, weil die Energie ausgeht um sie zu haben. Wenn nicht fange ich morgen von vorne an.

Zum Glück geht es mir inzwischen besser. Ich werde wahrscheinlich nicht weinend zu Bett gehen. Ich werde morgen wirklich als Chance wahrnehmen können und ich werde mein Essen morgen nicht mit dem von heute ver(=an)gleichen, weil ich weiss das es nicht gut ist. All das habe ich hinter mir gelassen, aber es nervt immer noch so sehr hier zu sitzen und nicht essen zu können. Weil ich mich bedroht fühle bei dem Gedanken zu essen, weil das Kind neben mir schreit und ich diesen scheiß Tag einfach nur noch hinter mir gelassen haben will


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Mein erster freier Abend

Es ist irgendwie seltsam.

Ich war mit einem Kumpel verabredet bei dem sich kurzfristig die Pläne zwischen 20 und 23 Uhr geändert haben.

Eigentlich war ich ja schon fast überrascht das er überhaupt Zeit für mich hatte.

Ich bin in meiner neuen, alten Stadt. Ich kenne Leute, aber weniger als damals. Ich kann manche fragen ob sie Zeit haben aber nicht alle. Ich habe zu machen ein seltsames Verhältnis zu manchen ein einfach zu oberflächliches (als das ich mich trauen würde)

Eigentlich habe ich hier nur 3 Menschen die ich fragen würde. Und selbst da wäre es mir nicht bei allen immer recht.

Also sitze ich hier an meinem Laptop in einem Café mit Internet mit einem Bier, Ich schreibe ein wenig Code und geniesse es trotz allem einfach mal Abends eine Auszeit zu haben.

Das ist das erste Mal seit der Geburt meines Kindes.

1,5 Jahre keinen Abend wirklich frei.

Klar bin ich auf Bereitschaft. Der Abend heute ist ein Testlauf ob ich Abends arbeiten kann.

Aber trotz allem tut es unglaublich gut.

Eine Freiheit die ich nur am Rande vermisst habe, die sich hier aber umso größer anfühlt.

Ich weiss aktuell noch nicht wie wir das hinbekommen, aber ich werde mein bestes geben und versuchen mitten in diesem organisatorischen Wirrwarr noch ein Leben zu haben. Und eines zu geben für meinen Partner.

Ich sitze hier und warte auf eine Nachricht das es nicht mehr geht. Dass das Kind zu anstrengend ist und ich nach Hause soll.

Manchmal frage ich mich wann ich wirklich entspannt von zu Hause weg sein werde. So ganz allein.

Das perverse ist ja: ich fühle mich unvollständig.

So sehr ich die Berührungen manchmal einfach nicht mehr ertrage und eine Auszeit brauche.,. So sehr fühlt es sich richtig an bei meinem Kind zu sein. Das Lächeln zu sehen und sich Dinge einfallen zu lassen um es hervor zu zaubern.

Damit meine ich gar nicht mich als Person. Verdammt ich hab genug mit mir selbst zu tun wenn es darum geht heraus zu finden wer ich eigentlich bin und ich brauche diese Zeit auch!

Aber wenn ich dann wieder zurück komme fühlt es sich auf einmal an als hätte ich einen Teil zurück gelassen. Vielleicht auch um den Fokus auf andere Dinge legen zu können, aber dennoch war es ein Teil von mir von dem ich glücklich bin ihn wieder zu haben.

Ich bin gerne allein. Ich muss manchmal allein sein, schon weil ich dann niemanden ertrage. Aber danach bin ich umso mehr bereit andere an meinem Leben teilhaben zu lassen.

Das gilt sowohl für meinen Partner als auch für mein Kind.

Ich möchte beide aktuell nicht missen (auch wenn ich es meinem Partner zur Zeit wirklich gönnen würde noch andere Partner zu haben die ihm mehr zu bieten haben)

Aber auf eine verquere Art und Weise, bei der ich ängstlich hier sitze und noch nicht weiss wie wir das schaffen wollen

freue ich mich

auf ein neues Abenteuer


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Gedankenwirrwar

Der Versuch eines Blogeintrags.

In den letzten Jahren habe ich mich immer mehr mit Sex und Gender beschäftigt. Im letzten Jahr mehr als zuvor. Anlass waren zum einen die Geburt meines Kindes, zum anderen war ich auf mehr Veranstaltungen in denen die Vorsellrunde auch das gewünschte Pronomen beinhaltete (oder Buttons mit Farbcode auf dem FemCamp z.B.).

Ich finde es toll und richtig wenn der Vorschlag kommt doch gleich das Pronomen mit zu nennen, genauso wichtig (und da hatte ich bisher immer Glück) ist es mir aber auch wenn keiner drauf beharrt. Mein Problem ist nämlich: ich weiss nie so recht was ich antworten soll.
Ich bin mit dem Glauben aufgewachsen, dass ich ein/e Mädchen/Frau bin. So richtig hat sich das allerdings meine Jugend über nicht angefühlt. Ich wusste allerdings immer das ich kein Mann(TM) bin, also musste Frau(TM) wohl stimmen. Meine frühere Schulzeit verbrachte ich meist alleine in Büchern vergraben. Mit den Mädchen meiner Klasse konnte ich nichts anfangen und zu den Jungs durfte ich auch nicht wircklich dazugehören. Also wurde ich “Mannsweib” genannt weil ich mich auch körperlich wehrte und nicht nur kreischend wegrannte (Diese Logik hab ich schon damals nicht verstanden) . Das tat weh aber zumindest wollte sich schnell keiner mehr mit mir anlegen.

Bla bla, Kindheit. Was ich sagen will ist das ich mich nie eine dieser beiden Gruppen zuordnen konnte. Heute hab ich allerdings auch schonmal von “doing gender” gehört (man lernt ja mit dem Alter manchmal dazu) und ich fände es spannend wie es in einer Gesellschaft ohne Rollenerwartung gelaufen wäre. Oder ich zumindest mehr darüber gewusst hätte. Damals verstand ich noch nicht was hier alles reinfliesst und dachte die Mädchen wären halt so und ich passe da nicht rein. Disqualifiziert.

Erst viel später, als ich bereits in der Uni war bin ich dann darüber gestolpert, dass es mehr gibt als dieses binäre System. (Internet ist manchmal tatsächlich hilfreich). Ich hatte zwar ab dem Gymnasium einen nicht mehr ganz unqueeren Freundeskreis, aber niemanden der seine sexuelle Identität in Frage stellte und ich kam inzwischen gut klar in der “mehr wie ein Junge”-Mädchenrolle.

Wenn ich heute sagen müsste als was ich mich wircklich identifiziere müsste ich wohl sagen: “ich weiss es nicht”.

Denn irgendwie finde ich das alles sehr komplex. Es ist so simpel auf der einen Seite aber wenn es um mich selbst geht stolper ich auf einmal über Probleme. Wenn Mann* und Frau* ein soziales Konstrukt sind (und trotz allem doch auch weiter gefächert als nur ein Standard Prototyp), was genau ist dann eigentlich das was mich dazuordnet?

Es gibt Tage an denen fühle ich mich eher männlich. Also das was ich gelernt habe das männlich ist (sic). Ich habe einen Selbstbewusstseins-schub, mein ganzes Inneres fühlt sich an wie unter Spannung. Aber GUT. Ich möchte mich körperlich betätigen, irgendwo raufklettern, mein Gang verändert sich, meine innere Haltung schreit nach Aussen “ihr könnt mir gar nix”. Ich fühle mich, als würde ich mit einer Präsenz Raum einnehmen, wie ich es nur von Männern kenne.

Aber das ist eher selten (früher hatte ich das öfters).

Manchmal habe ich Tage an denen fühle ich mich total zerbrechlich, devot. Ich nehme möglichst wenig Platz ein, habe den Kopf viel gesenkt. Ich fühle mich nicht schlecht dabei. Nur.. angreifbar. Aber solange ich durch die Menge husche passiert mir nichts und es ist auch ein schönes Gefühl mal nicht viel wahrgenommen zu werden.

Auch das ist selten (während Gymnasium eigentlich gar nicht)

Generell hat sich auch vieles “mit Essstörung und nach Depression” verschoben.

Und meistens bin ich einfach ich.
Ich pendel irgendwo dazwischen und schwanke auch oft innerhalb eines Tages.

Um zum Pronomenproblem zurück zu kommen (oder besser was mein Problem jetzt eigentlich ist): Ich habe kein Problem mit weiblichen Pronomen. Ich hatte die immer und sie fühlen sich auch nicht gänzlich falsch an. An manchen Tagen fühlen sie sich nur nicht ausreichend an. Weil ich jetzt weiss das es nicht meine einzige Option ist. Ich würde dann lieber sagen “alles ausser ‘er’ ist okay”.

Und das kann ich dann nicht. Weil da Leute sitzen die mich als “sie” kennen. Weil ich es unterstütze, dass Sexualität und auch sexuelle Identität nichts feststehendes sind, es für mich selbst aber nicht in Anspruch nehmen kann. Vielleicht ist das alles bei mir eh ganz normal und das geht allen so nur mein Hirn meint ein Ding draus machen zu müssen weil es so einfacher (?) erscheint. weil es Spannungen rausnimmt.
Das “you must be this queer..” Problem erwischt mich völlig. Ich habe wahnsinnige Angst Raum einzunehmen der mir nicht gehört, vll auch nicht reingelassen zu werden und immer mit dem murmeligen Gefühl dort nicht akzeptiert zu werden.
Queer ist ein so tolles Wort für mich, weil es so schön offen ist. Ich könnte auch nicht sagen ich wäre etwas bestimmtes. Dafür erschliesst es sich mir selbst einfach noch nicht genau. Vielleicht sehe ich Geister wo keine sind.

Darum sage ich dann einfach nur “ich bin Ines”